
Spätestens seit die kostenlose Ausgabe von Plastiktüten im Einzelhandel 2018 stark eingeschränkt wurde, scheint es in der Gesellschaft angekommen zu sein, dass Plastik der Umwelt und der Lebewesen zuliebe vermieden werden sollte. Dennoch gibt es Plastiktüten zu kaufen und auch sonst begegnet man Plastik noch immer in Hülle und Fülle im Alltag. Währenddessen erzeugen recyceltes Plastik und Bio-Kunststoffe den Anschein, eine ökologische Alternative darstellen zu können. Ist dem so?
Warum ist Plastik schlecht, wenn es doch recyclebar ist?
Plastik ist ein sehr stabiler Kunststoff, der sich nicht so schnell zersetzt. Hingegen zerfällt er in immer kleinere Teilchen. Wenn diese unter 5 Millimeter groß sind, spricht man von Mikroplastik. Manchmal ist dieser so klein, dass er mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen ist. Selbst in dieser Größe ist Mikroplastik schädlich. Kleine und größere Tiere halten die Teile für Nahrung und verschlucken sie, was lebensbedrohlich für sie werden kann. Einigen Tieren verstopft Plastik den Magen und sie verhungern trotz vollem Bauch. In Fällen von Fischen und Muscheln landen die Plastikteilchen über die Nahrungskette auch im Körper von uns Menschen. (Verbraucherzentrale, 2020).

Über verschiedene Wege gerät Plastik auch in den Ozean: Vom Abrieb von Autoreifen, die über Wind und Wasserwege ihren Weg ins Meer finden, über Schiffe, die ihren Abfall illegal im Meer entsorgen. Doch auch zu Hause bei der Mülltrennung werden Fehler begangen, die zur Umweltverschmutzung beitragen. So liegt die Quote der Fehlwürfe in die gelbe Tonne bei 40 bis 60 Prozent. Grund dafür ist unter anderem die fehlende Information und daraus folgende Unsicherheit der Verbraucher. (Schadwinkel, Stahnke & Tröger, 2018)
Ein Großteil der Plastikmassen, die in Verwertungsanlagen ankommen, wird verbrannt. Das beschleunigt zwar den Zersetzungsvorgang, doch ist enorm umweltschädigend. Dass die Kunststoffe hier landen, hat seine Ursache auch in den Sortierungsanlagen, die den Müll nicht richtig zuordnen. Außerdem sind den Kunststoffen oft weitere Stoffe wie Weichmacher oder konservierende Substanzen beigemischt, die das Plastik somit auch für das Recycling untauglich gestalten. Letztendlich wird nur wenig Plastik als solches wieder aufbereitet.
Wie gut ist recyceltes Plastik?
Durch die Marketingkampagnen der Konzerne hört man immer öfter von allerhand Gegenständen, die zu einem großen Teil oder sogar zu 100% aus recycelten Plastik hergestellt sind: Zahnbürsten, Shampoo-Flaschen und sogar Kleidung. Was auf dem ersten Blick der Nachfrage der Verbraucher nach Nachhaltigkeit entgegenkommen zu scheint, führt auf dem zweiten Blick einige Herausforderungen mit sich.
Zum einen ist der Recyclingprozess mit einem Energieaufwand verbunden, der zu weiteren Kohlenstoffemmissionen führen kann. Zum anderen ist mit einer Herstellung von Produkten aus recyceltem Material nicht auch gleich eine ethische Herstellung garantiert. Wenn in der Produktkette Menschen leiden, hat das herzlich wenig mit Nachhaltigkeit zu tun.
Die Gefahr bei nachhaltig deklarierten Produkten liegt somit im Green-Washing, das einige Marken betreiben, indem sie billig recyceltes Plastik in ihre Fertigung integrieren, um lediglich dem Nachhaltigkeitstrend vorgeblich gerecht zu werden.
Des Weiteren führt jede Recyclingrunde zu einem minderwertigerem Resultat, wodurch auch recyceltes Plastik irgendwann das Ende seines Lebenszyklus erreicht. Dementsprechend ist das Recycling von Plastik nur eine temporäre Lösung, dass das eigentliche Problem nicht aus der Welt schafft. (Vogue, 2020).
Ist Bio-Plastik eine nachhaltige Alternative?

Seit einiger Zeit macht sich der Begriff des Bio-Kunststoffs in den Supermärkten breit. Doch auch dieser ist mit Vorsicht zu genießen. Denn der Begriff ist nicht fest definiert und leider oft nur ein Marketinginstrument.
Der sogenannte Bio-Kunststoff wird aus Biomasse wie Mais, Zuckerrohr oder Cellulose hergestellt. Hierin besteht bereits das erste Problem, denn Bio-Plastik besteht nie zu 100% aus diesen Stoffen, da meist auch Gleitmittel und Stabilisatoren beigemischt werden. Einige Inhaltsstoffe werden wie das herkömmliche Plastik aus Erdöl hergestellt. Daraus resultiert, dass bio-basierte Kunststoffe nicht unbedingt auch biologisch abbaubar sind. Tatsächlich sind nur wenige Kunststoffe sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen als auch biologisch abbaubar.
Ohnehin sollte Bio-Kunststoff, den es unter anderem in Form von Plastiktüten zu kaufen gibt, nicht im heimischen Kompost entsorgt werden; der Zersetzungsprozess würde zu lange dauern. Lediglich Kompostieranlagen verfügen über die nötigen Bedingungen, um den Bio-Plastik zumindest ansatzweise zu recyceln. Bloß soweit schafft es der Bio-Plastik nicht immer, denn die Sortieranlagen können nur schwer erkennen, ob es sich beim Plastik um Bio handelt oder nicht und sortieren ihn im Zweifelsfall aus. Hier, oder wenn der bio-basierte Kunststoff doch im Meer landet, erweist er sich als genauso schädlich wie herkömmliches Plastik. (Volksstimme, 2019 & Wintermantel, 2018).
Wann Plastik sich (theoretisch) als ökologisch erweist
Die Verbraucherzentrale (2020) weist darauf hin, dass beim Transport von Flüssigkeiten über eine weite Strecke hinweg PET-Flaschen oft nachhaltiger seien, da sie weniger als Glasflaschen wiegen. Glas sei nur dann ökologisch besser, wenn man lokales Bier oder Mineralwasser kaufe, das nicht mehr als 50km Transportweg ausgesetzt würde.
Das mag so stimmen, denn beim Versuch nachhaltiger zu leben, gibt es verschiedene Wege, einen umweltfreundlicheren Lebensweg einzuschlagen. Somit gibt es auch hier eine Vielzahl an Aspekten zu beachten. Obwohl an sich Glas eine längere Lebensdauer als Plastik hat, wirkt sich das höhere Gewicht von Glas beim Transport negativ auf die Ökobilanz aus. Wichtige Frage ist hierbei aber auch, ob es sich um Mehrweg oder Einweg handelt. Hingegen im Vergleich mit einem Getränkekarton sollte es meistens lieber die Flasche sein, denn der Karton besteht oft aus mehreren Schichten aus unter anderem Plastik, die schwer voneinander zu trennen sind. (Volksstimme, 2019).
Unseren „Plastikplaneten“ nachhaltiger gestalten

Dennoch rät auch die Verbraucherzentrale (2020) dazu, den Konsum von Plastik nach Möglichkeit einzuschränken und den kompletten Verzicht auf Kunststoffe anzustreben. Denn: Ja, an sich ist Plastik schlecht und in einer idealen Welt verzichten wir zu 100% auf Kunststoffe. Allerdings ist ein komplett plastikfreies Leben aktuell nicht möglich, weil es immer noch Produkte gibt, die in einer plastikfreien Version sehr schwierig bis gar nicht zu finden sind. Außerdem erfüllt Plastik in manchen Bereichen auch sehr wichtige Aufgaben, wie zum Beispiel in der Medizin.
Um den Einsatz von Plastik in den Gebieten, in denen er derzeit noch unverzichtbar ist, als tragbar zu gestalten, sollten wir ihn in anderen Bereichen umso kleiner halten. Ein guter Anfang ist zu Hause: Einwegplastik wie bei Bürsten, eingeschweißtem Gemüse und anderen Lebensmittelverpackungen sollte mit entsprechenden Produkten aus langlebigeren Materialien ersetzt werden. Plastikprodukte mit längerer Haltbarkeit so wie Brotdosen, Eimer und Körbe sollten so lange weiter verwendet werden wie sie noch halten und erst dann mit plastikfreien Alternativen ersetzt werden.