Nachhaltiger Garten – 7 Tipps für den Einstieg ins nachhaltige Gärtnern

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Foto von Nachhaltiger Wohnen

Ein Garten ist ein Lebensraum, in dem Mensch, Tier und natürliche Prozesse zusammen kommen. Wer ein Stückchen Land, seine Terrasse oder seinen Balkon bepflanzt, ist nicht alleine. Es entsteht ein Biotop mit Insekten, Vögeln, Krebsen, kleinsten Organismen und weiteren Mitbewohnern, die etwas vom Habitat abhaben wollen und für den natürlichen Ablauf des Ökosystems von großer Bedeutung sind.

So zumindest verhält es sich in einem nachhaltigen Garten. Ein Arbeiten gegen den natürlichen Kreislauf wirkt sich auf das Wachstum und auf den Ertrag von Gemüse, Obst und Früchten aus. An diesem Punkt greift manch ein verzweifelter und unwissender Gärtner zu chemischen Mitteln. Diese erzielen einen erhofften, aber kurzfristigen, positiven Effekt, bevor sie eine verheerende Folge mit sich führen, zum Beispiel wenn überdüngt wird, und einen Teufelskreis einleiten. Um in diesen gar nicht erst hinein zu geraten, gilt es viel auszuprobieren, denn jede Region, jeder Standort und jeder Boden ist anders. Doch es gibt auch einige grundlegende Aspekte, die in das grüne Handwerk integriert werden können, um einen nachhaltigeren Garten zu etablieren.

1. Wasser – Lebenselixier alles Irdischen

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Da der Regen nicht immer so fällt, wie es sich der Gärtner wünscht, muss auf andere Quellen des teuren Nass zurückgegriffen werden. Besser als das zum Trinken aufbereitete Leitungswasser zu verwenden, ist es Regenwasser aufzufangen, da dieses weniger kalkhaltig ist. Dafür eignen sich Regentonnen, Dachrinnen mit Fallrohren und Regenwasserklappen und Zisternen. Auch auf das Grundwasser kann zurückgegriffen werden; mit der uralten Erfindung eines Brunnens.

2. Boden – Mutter aller Nährstoffe

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Generell gilt, dass regelmäßiges Hacken die Erde gesund hält. Ein lockerer Boden wird leichter mit Sauerstoff versorgt, ist aufnahmefähiger für Wasser und hält Unkraut effektiver fern.

Um die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig beizubehalten, setzen viele Gärtner wie auch Landwirte auf Fruchtfolgen und Mehrfelderwirtschaft. Demnach wird ein Flecken Erde im Verlauf der Jahre mit unterschiedlichen Nutzpflanzen bestückt, um ihnen den Zugriff auf unterschiedliche Nährstoffe aus dem Boden zu ermöglichen. Hierbei gibt es verschiedene Systeme, wie beispielsweise den Fruchtwechsel auf Grundlage der Nährstoffbeanspruchung, die Fruchtfolge auf Grundlage der vier Elemente (Erde, Feuer, Luft, Wasser) und Pflanzenorgane oder die Fruchtfolge nach den Pflanzenfamilien. 1

3. Kompost – Medizin für den Garten

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Die beste Medizin für den Garten ist Kompost. Ein biologisch bewirtschafteter Humusboden schützt sich selbst gegen überschüssige Säuren und Basen. Der Einsatz von chemischem Dünger wird überflüssig.

„Die Kompostierung ist ein von Menschenhand gelenkter Verrottungsprozess. Indem der Gärtner einen Kompost bereitet, ahmt er den (…) natürlichen Umwandlungsprozess auf kunstvolle und konzentrierte Weise nach. Er beschleunigt und konzentriert den Vorgang.“ 2

4. Licht – Störquelle künstliches Licht

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Der natürliche Lauf der Sonne ermöglicht in den meisten Gebieten Licht am Tag und Dunkelheit in der Nacht. An diesem Rhythmus zwischen Hell und Dunkel orientieren sich alle Lebewesen unterhalb der Sonne, egal ob sie tag- oder nachtaktiv sind. Nächtliche Beleuchtung kann nützlich sein, wie im Straßenverkehr, und schön aussehen, wie zur Weihnachtszeit. Doch gerade im Garten sollte unnötige Beleuchtung vermieden werden.

Nichts spricht gegen einen gelegentlichen Grillabend, der bei einem nächtlichen Lagerfeuer, dekorativen Fackeln oder gemütlichem Kerzenschein ausklingt. Jedoch manch einer bestrahlt nachts seinen Garten, auch außerhalb der Weihnachtszeit, mit künstlichen Lichtquellen, die keinem Zweck zu dienen scheinen. Während der Mensch sich abends innenhäuslich von Lichtquellen wie Handy- und Fernsehbildschirm besudeln lässt und wenig von der Gartenbeleuchtung mitbekommt, werden draußen Pflanzen und Tiere in ihrem Lebensrhythmus gestört. Eine gar flächendeckende Elektrifizierung verursacht künstliche Magnetfelder, die die Gartenmitbewohner über die Lichtverschmutzung hinaus irritieren könnten.

Um die künstliche Beleuchtung im Garten auf ein Minimum zu reduzieren, empfehlen sich Zeitschaltuhren, sodass die Leuchten nicht die ganze Nacht durch scheinen. Darüberhinaus erlaubt eine manuelle Bedienung von Lichtquellen, jene nur dann einzuschalten, wenn man tatsächlich im Dunkeln noch im Garten sitzt und diese auch genießen möchte. Für Wege, die man auch nachts sicher betreten muss, eignen sich Bewegungsmelder. Für die schönste Lichtquelle, die man in der Nacht beobachten kann, muss sowieso alles künstliche Licht ausgeschaltet werden: Um die Sterne zu beobachten.

5. Tiere – Nützliche und schädliche Mitbewohner

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„Sprich, wie werd ich die Sperlinge los, so sagte der Gärtner,

Und die Raupen dazu, ferner das Käfergeschlecht,

Maulwurf, Erdfloh, Wespe, die Würmer, das Teufelsgeschlecht?

Lass sie nur alle, so frisst einer den anderen auf.“

(Johann Wolfgang von Goethe, Gedichte: Weissagungen des Bakis)

Die Schädlinge mit einer gewissen Gelassenheit wie Goethe anzugehen ist gut angebracht, denn im ökologischen Zusammenhang spielt jede Art ihre Rolle.3 Welche nützlichen oder schädlichen Tiere es sind, die den Lebensraum Garten als gute oder weniger gute Mitbewohner teilen, hängt von der Gegend und den ökologischen Zusammenhängen ab.4

Um Gartenhelfern, wie Bienen, Vögeln und Krabbel- und Kriechtieren den grünen Raum möglichst attraktiv zu gestalten, eignen sich heimische Pflanzen, Nistplätze, Insektenhotels und das Anhäufen von natürlichem Material wie Häufchen oder Mäuerchen aus Steinen oder Ästen.

6. Gartengeräte – Verlängerte Arme des Gärtners

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Bei allen Geräten, die man im Garten verwendet, gilt wie im Haushalt, auf hochwertiges und langlebiges Material zu achten. Nach Möglichkeit also auf Kunststoffe verzichten und öfter zum klassischen Gerät als zur benzingetriebenen Maschine greifen. Geräte am Abend nicht draußen liegen lassen, sondern von der Erde befreien und wettergeschützt wegräumen. Sonst rosten Metallteile und Mikroben zersetzten allmählich das Holz der Stiele, sodass sie leicht brechen.5

Ferner ist es eine Überlegung wert, sich große Geräte, die man nicht häufig verwendet, mit dem Nachbarn zu teilen. So zum Bespiel bei einem Gartenhäcksler.

Eine große Plastikquelle, die erhöhtes Augenmerk verlangt, sind Pflanzengefäße. Nach einer Anschaffung neuer Pflänzchen und Blümchen stapelt sich eine Wut an Plastiktöpfen im Gartenhaus. Nachhaltiger sind Gefäße aus Ton und Weidengeflecht. Auch toll: Manche Gärtnereien bieten ein Pfandsystem von Pflanzengefäßen an, die man nach dem Heimtransport zurückbringen kann.

Beim Anzüchten kann man besonders kreativ werden und verschiedene kompostierbare Schälchen ausprobieren: Ausgehöhlte Zitronen- und Eierhälften, Kokousnussschalen, kompostierbares Altpapier und weitere.

7. Gewächshaus, Gartenhaus, Gartenmöbel & Öko-Toilette 

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Ein nachhaltiger Garten hört beim Grünzeug nicht auf. Auch Mobiliar und nützliche Häuschen können ihren naturfreundlichen Platz im Garten finden.

Ein Gewächshaus lässt sich in den ökologischen Kreislauf eines Gartens durchaus etablieren. Dazu sollte es aber aus Glas und anderen beständigen Materialien und nicht aus Folie und Plastik bestehen. Isolier- und Wärmeschutzglas ersetzen eine externe Heizung.

Auch bei einem Gartenhaus bestimmen, wie beim nachhaltigeren Wohnen allgemein, die Materialien den „Nachhaltigkeitsgrad“.

Ebenso bei Gartenmöbeln. Tisch und Stühle aus Plastik verfügen oft über eine geringere Lebenszeit als Möbel aus Holz. Hierbei sollte auf tropische Hölzer wie Teak und Bangkirai verzichtet und lieber auf heimische Sorten wie Eiche zurückgegriffen werden.

Wer ein Klo in seinem Garten benötigt, dem sei eine Komposttoilette ohne Wasserspülung geraten. Kleines und großes Geschäft werden getrennt aufgefangen und eventuell als Kompost weiterverwendet.

Quellen

1 Storl, Wolf-Dieter (2017). „Mein Gartenwissen“. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München. Seite 72 – 74.
2 Ebd. Seite 118.
3 Ebd. Seite 146.
4 Ebd. Seite 143.
5 Ebd. Seite 46.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. karin

    Danke für die tollen Tipps, um einen nachhaltigeren Garten zu haben. Ich würde sehr gerne ein Biotop anlegen lassen, um meinen Garten Nachhaltig zu machen. Ich werde nun auf jedenfall mehr Pflanzen anbauen und ebenso einen Teich. Danke!

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