Nachhaltig Bauen – Eine Einleitung

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Foto von Nachhaltiger Wohnen

Als in den Nachkriegsjahren der Wiederaufbau und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum mit dem, was man hatte, erstes Gebot war, wurde noch nach alter Väter Sitte gebaut. Veränderungen in der Lebensweise und der beginnende Einsatz von Chemie und Kunststoffen im Baugewerbe stellten sicher, dass schneller gebaut werden konnte und vor allen Dingen mehr. Abbindezeiten von Baustoffen wurden durch Einsatz von Chemikalien verkürzt, Jahrhunderte alte Regeln und Gesetzmäßigkeiten wie Querlüftung, Verhinderung von Tauwasserbildung und traditionellem Feuchtigkeitstranport ausgetrickst. Bei nüchterner Betrachtung wurde und wird im modernen Bauen mit soviel Chemie nachgeholfen, dass man am Ende in einer Hülle aus teurem Sondermüll sitzt.

Unter nachhaltigem Bauen versteht sich letztendlich die Idee einer ökologischen Bauweise. Mit beiden Begrifflichkeiten, Nachhaltigkeit und Ökologie, verbindet man einen Baustil, bei welchem schon im Zuge der Planung eines Bauvorhabens auf das Nach-halt-ige hingearbeitet wird.  Bereits im Ansatz, beim Überlegen von Möglichkeiten, muss zum einen die Machbarkeit der Umsetzung und zum anderen der Nutzen für die Bewohner ein elementarer Bestandteil der Planung sein. Nachhaltiges Bauen verbindet man fast schon zwangsläufig mit der Sanierung alter Gebäude, Aufkauf von Resthöfen, Verwertung alter Industrieanlagen bzw. deren Überbleibsel.

Oder eben das Erstellen von modernen Wohnhäusern mit Begrifflichkeiten wie Niedrigenergiehaus, Effizienzhaus, Passivhaus oder Null- und Plusenergiehaus. Letzteres ist geprägt von rein bauphysikalischen Beratungen zum Energieeinsatz (Eigenherstellung, Eigenverwertung oder Einspeisung in öffentliche Netze) mit der Erstellung von Zertifikaten wie einem Gebäudeenergiepass, Thermografie oder ähnlichem. Ebenso sind traditionelle Verfahren wie Feng Shui, Rutengänge, Elektrobiologie und Geomantie en vogue bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeit. 

Im Folgenden wird auf jeden einzelnen Punkt speziell eingegangen, ein Für und Wider besprochen, Überlegungen angestellt, wie kompliziert nachhaltiges Bauen sein muss oder auch nicht. Vom Abriss zur Aussortierung, Zwischenlagerung von recyclebarem Material, Altsünden entsorgen bis zur Wiederverwendung gibt es einiges zu bedenken, aber es muss weder aufwendig noch teuer sein. Ebenso gibt es Vorschläge für einen Neubau, Findung und Erschließung des Grundstückes, Planung der Bauweise sowie eine geeignete Medienversorgung (Strom, Wasser, Abwasser).

Flächeninanspruchnahme

Wie viele Quadratmeter benötigen wir? Dem einen reicht ein kleines Zimmer zum Schlafen und ein Schrank für seine Wäsche. Der andere möchte gerne ein Zimmer ausschließlich zum Ankleiden. Oder man kommt von der Arbeit und möchte sich in einer eigens eingerichteten Waschküche erst einmal säubern, bevor man seine Wohnung betritt. Das gilt für Eigentum genauso wie für Mietvorstellungen. Die Flächen, welche bewirtschaftet werden, sollten passen. Außer nur wohnen, essen, schlafen und waschen hat jeder Mensch auch noch andere Ideen, welche sich in den Alltag integrieren sollten. Möchte ich Gemüse anbauen, Tiere halten, oder halte ich das für überflüssig. Interessieren mich Töpferarbeiten, Schweißtechnik oder eher gar nichts von dem. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir unsere Vorlieben in die Flächenplanung mit einfließen lassen und auf Wiederverwertbarkeit prüfen; im Sinne des Wortes.

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Bauweise

Nachhaltigkeit bedeutet, dass man sich nicht nur mit den Materialien beschäftigt, welche verbaut werden. Die Idee, die Verwertbarkeit und nicht zuletzt auch die Architektur sollten passen. Ein archetypischer Landhausstil kann nur funktionieren, wenn man diese Lebensweise auch annimmt. Nicht jeder ist Gärtner oder Hühnerhalter. Nachhaltiges Wohnen ist ebenso in einer Plattenbauwohnung möglich. Zudem gibt es inzwischen ganz individuelle Ideen, wie man sich betten möchte. Ob in einer ehemaligen Bauernkate, in einem modernen Niedrigenergiehaus oder auch in Wänden aus Strohballen – die verwendeten Baumaterialien sollten so gewählt sein, dass man diese problemlos an seine Kinder vererben kann, ohne fiese Überraschungen. 

Langlebigkeit

Wie dem auch sei, die Achtsamkeit sollte bei Anschaffungen immer auf die Wiederverwendbarkeit gerichtet sein. Bevor man mit seinen Ideen und Finanzierungen zuschlägt, ist es wichtig zu klären, wie das Material eingesetzt und weiterverwertet wird. Ein Stein ist ein Stein, den man wieder zum Bauen benutzen kann. Sobald andere Materialien hinzukommen, sollte man wissen, wie sich diese Materialien zueinander verhalten, wie Physik funktioniert, und noch einmal: Das muss nicht kompliziert sein. Alle Baumaterialien haben ein Verfallsdatum – unbestritten. Aber wer sich Gedanken um Feuchtigkeit im Keller macht, sollte sich einmal die Wasserschlösser der feudalen Herrlichkeiten der vergangenen Jahrhunderte anschauen. Wieso haben diese nur marginal auftretende Probleme mit Feuchtigkeit in den Wänden? Man kann sie heute noch bewundern und der Denkmalschutz arbeitet zu großen Teilen ohne Bauchemie. Alte Bautechniken wiederentdeckt erklärt viel von Langlebigkeit eines Gebäudes. 

Baustoffe

Und dann gibt es noch die Qual der Wahl – obwohl es auch die gar nicht geben muss. Zum Umsetzen der Ideen sollte man stringent an wieder verwendbaren Materialien festhalten. Nichts, und wirklich nichts einbauen, was man nicht ruhigen Gewissens wieder verwerten kann. Dann stehen auch die eigenen vier Wände denen der feudalen Herrschaft an Langlebigkeit in nichts nach. 

Wärmeschutz

Ein bedeutender Teil im Baugeschäft gilt dem Wärmeschutz – und da werden schon in der Planung Grundlagen gelegt, um eine Funktionalität für den Nutzer zu garantieren. Nicht alles, was wir von früher lernen, lässt sich für das moderne Wohnen verwenden – aber fast alles. Heute wird mehr über Kältebrücken nachgedacht und wie diese verhindert werden können, ohne dass der Feuchtigkeitstransfer gebrochen wird. Früher lebte man mit diffusionsoffenen Wänden und behielt einfach mehr Wäsche an. Ist heute selbstredend etwas anders geartet. Dennoch kann der Brückenschlag in die Moderne gelingen. Winterlicher Wärmeschutz, sommerlicher Wärmeschutz, hygienischer Wärmeschutz (Vermeidung von Schimmelpilzbefall) – Wärmeschutz ist immer in Verbindung mit Feuchteschutz zu sehen. 

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Feuchteschutz

Ein viel wichtigeres Thema ist derzeit der Feuchteschutz. Durch die kommerzielle Bauweise wurden die Wohneinheiten in eine Hülle von teurem Sondermüll eingeschnürt, mit Techniken, welche das Auftreten von Bauschäden eigentlich verhindern sollen. Das Zauberwort in diesem Kapitel heißt Verhinderung von Schwitz- und Tauwasserbildung im Inneren von Bauteilen. Und selbstredend Regenwasserschutz – z.B. innenliegende Regenwasserableitung von Flachdächern. 

Energieträger

Unser modernes Leben ist durch Elektrizität maßgeblich beeinflusst. Mit Strom können wir all unsere Wohnwünsche irgendwie umsetzen. Licht, Kochen und Heizen – also die Grundelemente zum Überleben – Warm, Trocken, Satt. Dennoch kommt der Strom nicht aus der Steckdose und fertig. Denn Ökostrom ist nicht immer auch gleich nachhaltig.

Für eine nachhaltige Bauweise steht vor allen Dingen die Verwendung von Energien, welche uns die Natur liefern kann. Stringenter Verzicht auf fossile Brennstoffe, Einsatz von nachhaltiger Technik wie Holzvergaser, Solarthermie und damit verbundener Frischwasserverwendung für warmes Wasser, Photovoltaik, Windkraftenergie – es ist vieles möglich, wenn man etwas nachdenkt und bereit ist, ein naturnahes Leben auch zu leben.

Thermischer Komfort

Zum Beispiel die Raumbeheizung. Hier kann man ganz von klassisch bis modern so einige Elemente einbauen. Immer nachhaltig ist, die grundlegenden Gesetze der Thermik schon bei der Planung einzubeziehen. Flächenheizung ist immer gesünder als Konvektion – die Natur macht uns das vor. Wer liebt nicht die wärmenden Strahlen der Sonne? Nun, eine Grundofenheizung oder eine Wandheizung, auch in Verbindung mit einem Heizkamin, simuliert in den eigenen vier Wänden sehr gut die Strahlungswärme der Sonne und wirbelt nicht soviel Hausstaub durch den Raum, wie herkömmliche Heizkörper.

Innenraumhygiene

Was sich selbstredend auch hygienisch widerspiegelt. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt bei der Wohnraumplanung ist die Raumhygiene der bewohnten Flächen. Wie funktioniert eigentlich der Transport von Wärme, Feuchtigkeit und Raumluft – das Leben muss in jedem Raum so funktionieren, das sich diese Frage gar nicht erst stellt. Lebensmittelallergiker müssen sich zwangsläufig mit der Beschaffenheit ihrer Nahrung auseinandersetzen. Dies kann man auch für andere Allergien umsetzen, zum Beispiel Hausstaub und dessen Verbreitung. 

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Akustik

Eine der vernachlässigtsten Überlegungen betrifft die Raumakustik. Bitte, warum bei all den Themen darüber auch noch nachdenken. Eben – deswegen. Eine nachhaltige Bauweise bindet in der Nutzungsqualtität auch die Akustik mit ein. Nichts nervt mehr, als vermeidbares Gepolter von Mitbewohnern, die noch nicht einmal etwas von ihrem Fauxpas mitbekommen. Oder vorbeifahrende Autos, der mähgeile Nachbar, Motorsägenmassaker und, und, und. Zugegeben, die eigenen Aktivitäten stören die Nachbarn ja auch – doch mit der richtigen Wahl der Baumaterialien bleiben so viele Geräusche draußen. 

Sicherheitstechnik

Auch in der Nachhaltigkeit ist die Sicherheitstechnik ein sehr wichtiger Bestandteil in der Wohnraumgestaltung. Und dabei ist nicht die Einbruchssicherheit der erste Gedanke. Hier gelten vor allen Dingen Installation von Brandmeldeanlagen, Entrauchungsanlagen, Wasserstandsmelder, Hebeanlagen für Abwasser, Absicherungen für feuerführende Technik – Wartungen und Pflege aller technischen Anlagen ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil beim nachhaltigen Bauen – und dann doch eine funktionierende Einbruchmeldeanlage, welche nicht der Kater unterlaufen kann.

Barrierefreiheit

Je mehr über Nachhaltigkeit nachgedacht wird – das moderne Leben ermöglicht uns ebenfalls eine längere Fitness. Dem einen mehr, dem anderen weniger, Schicksalsschläge nicht einberechnet. Nachhaltigkeit heißt auch, sich mit Barrierefreiheit zu beschäftigen. Wie erreicht man Küche, WC oder den Schritt nach draußen ohne fremde Hilfe, wenn es wie gewohnt nicht mehr funktioniert oder man einfach in seinem eigen Geschaffenem alt werden möchte.

Gestaltungsmöglichkeit

Last but not least – nachhaltig wohnen heißt auch, sich Veränderungen nicht zu verschließen. Wohnräume und Kommunikationsflächen sollten schon in der Planung einem ständigen Wandel nicht verschlossen bleiben. Denn mit dem Verlauf der Zeit ändern sich die Ansprüche an den Wohnraum. Während einige davon unvorhersehbar bleiben, lassen sich andere einkalkulieren, wie beispielsweise Kinder, die ausziehen und ihre Räume für einen neuen Nutzen freigeben.