Möbel und Dekor aus zweiter Hand: Tipps zum Second-Hand-Shopping

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Second-Hand-Shopping ist ein bisschen wie eine Schatzsuche. Man muss sich eine ganze Weile durch den Dschungel von altem Krempel schlagen, bis man endlich die perfekte Kommode findet, die zur Garderobe im Flur passt. Oder man kommt stattdessen mit einer wunderschönen Vase zurück, die man zwar nicht gesucht hat, aber die wunderbar auf der Kommode aussehen würde, wenn sie denn mal gefunden wird. Es ist eine Gratwanderung zwischen Spannung und Frustration gelenkt von einer gehörigen Portion Glück. Aber nicht ausschließlich; erfolgreiches Second-Hand-Shopping lässt sich lernen.

Den eigenen Stil kennen

Nichts spricht gegen ein zielloses Schlendern über einen Flohmarkt oder das zwanglose Browsen durch einen Second-Hand-Webshop. Doch um der eigenen Traumeinrichtung möglichst nah zu kommen, empfiehlt es sich das Stöbern mit einem Plan anzugehen.

Einrichtungsstil

Zunächst hilft es, sich über seinen eigenen Einrichtungsstil bewusst zu werden. Eher Landhaus oder eher Industrial-Chic? Oder ein in Szene gesetzter Bruch beider Stile? Wer sich über den eigenen Wohnstil nicht bewusst ist oder sich neu einrichten möchte, kann sich online und in Zeitschriften inspirieren lassen und ein Moodboard erstellen. Zusammengestellt ergeben die gesammelten Bilder einen gewissen Stil oder eine Farbkombination wird ersichtlich.

Ideenliste

Mit dem Wissen über den persönlichen Wohnstil im Hinterkopf lässt sich auch leicht eine Ideenliste mit Teilen, die zur Einrichtung passen, aufstellen. Bei Teilen, die einen designierten Platz erhalten sollen, am besten vorher die Maße nehmen. So eine Ideenliste könnte wie folgt aussehen: 

  • stabile Bilderrahmen aus Echtholz und echtem Glas
  • einfarbige Tischdecken aus 100% Leinen mit Mindestmaße 1 x 2 m
  • Nachttisch mit einer maximalen Breite von 45 cm

Hochwertige Marken kennen

Ein weiterer Tipp ist es, sich mit den Marken in einem Gebiet vertraut zu machen. Wer beispielsweise Besteck und Geschirr auf seiner Ideenliste stehen hat, freut sich einen guten Deal mit einer hochwertigen Marke zu machen, die für Qualität und Langlebigkeit bekannt ist.

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Wo Second-Hand kaufen

Artikel aus zweiter Hand gibt es nicht nur klassisch auf dem Flohmarkt. Auch online haben sich Seiten auf den An- und Verkauf von gebrauchten Dingen spezialisiert. Ob Trödelmarkt oder digital, der Profi-Tipp liegt darin, seinen favorisierten Second-Hand-Markt regelmäßig zu besuchen. Denn manchmal begegnet man dem perfekten Teil, wenn man gar nicht damit rechnet.

Flohmärkte & Trödelmärkte

Das klassische Ereignis für die Suche nach neuen alten Schätzen ist der Flohmarkt. Doch auch hier gibt es meilenweite Unterschiede. So begegnet man auf großen regelmäßig stattfindenden Flohmärkten oft Händler an, die in großen Mengen Neuwaren anbieten, die es auch im Handel gibt. Das hat weniger mit Schatzsuche zu tun. Hingegen sind auf kleinen unregelmäßig stattfindenden Flohmärkten, die von Kirchengemeinden oder Sportvereinen organisiert werden, eher Privatleute zu finden, die ihren Dachboden oder Keller ausgemistet haben.

Die privaten Verkäufer kommen auch meistens aus der entsprechenden Gemeinde. Somit lässt sich anhand der Gegend oft auch die Spanne der angebotenen Waren voraussagen. In gehobeneren Gegenden fällt der Großteil der angebotenen Artikel entsprechend gehoben aus mit teureren oder hochwertigeren Marken. Das ist natürlich nicht immer der Fall, doch eine gewisse Tendenz lässt sich zumindest an einigen Flohmarktständen deutlich bestätigen.

Für den Gang über den Flohmarkt empfiehlt es sich ein Maßband und Bargeld dabei zu haben. Wer spontan auf dem Trödelmarkt landet, sollte sich aber nicht scheuen den Verkäufer eine Online-Bezahlmethode vorzuschlagen. Die meisten haben ihr Handy mit Bezahl-App immer dabei, sodass sich auch digital ein gefundener Schatz bezahlen lässt.

Online-Portale & Social Media

Für die digitale Schatzsuche eignen sich Kleinanzeigen-Portale und Social Media. Der Pro-Tipp hierbei ist es einen Suchalarm mit mehreren Synonymen oder alternativen Beschreibungen zum gesuchten Begriff einzustellen. Wer einen Pflanzenständer sucht kann zusätzlich nach den Begriffen Pflanzensäule, Blumenständer und Blumensäule und vielleicht sogar Hocker, Beistelltisch, Kerzenständer, Kerzensäule suchen.

Wichtig ist auch Preisverhandlungen bei Möglichkeit im Voraus online oder am Telefon vorzunehmen. Ansonsten stellt man vor Ort fest, dass der Verkäufer mit dem Preis nicht runtergehen will, da er noch andere Käufer in petto hat.

Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Unternehmen, die online Möbel und Dekor aus zweiter Hand anbieten. Bei großen Käufen wie Möbeln, eignen sich die Second-Hand-Internetseiten besonders gut, wenn man das Modell, das man sucht, bereits kennt; also sich zum Beispiel schon mal neu im Geschäft angesehen hat.

Second-Hand-Läden & Sozialkaufhäuser

Eine weitere Möglichkeit für die Schatzsuche nach Teilen mit dem besonderen Charme sind Second-Hand-Läden. Denn manchmal bieten diese neben Klamotten auch eine Abteilung für die Wohnungseinrichtung an. Bei Second-Hand-Shops lohnt es sich zu fragen, ob und wann es einen bestimmten Termin in der Woche gibt, an dem mit neuen Sachen aufgestockt wird. Wenn man den kennt, lässt sich ein kurzer Besuch im Laden auch mal spontan in den Tag einbauen, wenn man sowieso gerade unterwegs ist.

Ähnlich einem Second-Hand-Shop sind Sozialkaufhäuser. Hier werden die angebotenen Gegenstände meistens gespendet und zu einem kleinen Preis verkauft, um Geringverdienern entgegenzukommen. Allerdings darf hier jeder einkaufen; eine Bedürftigkeit muss nicht nachgewiesen werden. Und nur weil es hier kostengünstig ist, heißt es nicht, dass hier kein stilvoller Schatz in den Räumlichkeiten auf seine Entdeckung wartet.

Lieblingsmaterialien erkennen

Das Stöbern im Dickicht des Trödels kann manchmal ganz schön auslaugen. Jeder Blick ein neuer Eindruck und jedes Teil erzählt eine Geschichte. Um sich nicht zu überfordern, hilft es sich einen „Scanner-Blick“ zuzulegen. Das heißt, der Flohmarkttisch wird nur schnell überflogen und die Teile auf Material und Beschaffenheit „gescannt“. Wenn als erstes auf die Qualität und dann auf den Stil geachtet wird, filtert man schlechte Qualität ganz automatisch aus. Es ist also sinnvoll bei der Traumeinrichtung und beim Verfassen der Ideenliste bereits favorisierte Materialien zu definieren. Eine Auswahl an robusten, langanhaltenden Materialien sind Massivholz, hochwertige Metalle und Baumwolle.

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Upcycling & das eigene Limit kennen

Beim Second-Hand-Shopping sollte man stets seine Fantasie einsetzen. Denn ab und an ist ein Teil nur einen neuen Farbanstrich oder Holzschliff vom Objekt der Begierde entfernt. Mit ein bisschen Geschick lassen sich in Mitleidenschaft gezogenen Gegenstände upcyclen. Die kaputten Stellen können dabei in die Preisverhandlung mit einbezogen werden.

Jedoch sollte man sich ernsthaft fragen, ob man über die Mittel und Fähigkeiten für das Upcycling-Projekt verfügt und erkennen, wo das eigene Limit erreicht ist. Denn es wäre schade, wenn das neu erworbene Fundstück zu Hause im Keller landet, weil die nötigen Skills oder die Kosten für das erforderliche Zusatzmaterial fehlen.

Folglich gilt es zu merken: Den Zustand eines Gegenstands gleich mit in den „Scannerblick“ integrieren und den Shopping-Prozess dadurch beschleunigen.

Sofas & Textilien

Wer ein Sofa aus zweiter Hand erwerben möchte, sollte genau hinsehen und zwar auf jede Seite. Das Möbelstück also nicht nur von vorn begutachten sondern auch die Rückseite auf etwaige Mangel kontrollieren. Außerdem die Couch mit Hilfe anheben und unterhalb prüfen, dass keine kaputte Federung oder ein angeschlagener Rahmen zu erkennen ist.

Natürlich darf der Sitztest nicht fehlen. Ist das Sofa weich oder hart genug entsprechend der persönlichen Vorliebe? Fühlt sich das Sitzpolster stabil an und hängt nicht durch? Knarrt oder quietscht es nicht? Stehen die Füße stabil? Lohnt sich ein Polsterer, falls der Zustand lädiert sein sollte?

Ebenfalls wichtig bei Polstermöbeln ist ein einfacher Geruchstest. Es ist normal, dass ein Sofa den Geruch des Raumes annimmt, in dem es gestanden hat. Eine leichte Geruchsnote lässt sich mit Auslüften und ein paar kleinen Hilfsmitteln beseitigen. Doch stärkere Gerüche wie Zigarettengeruch oder Tierurin sind schwieriger zu entfernen und den Kauf nicht wert.

Sowohl bei gepolsterten Sitzmöbeln als auch bei Textilien wie Tischdecken, Stoffservietten, Kissenbezügen und Bettwäsche scheiden sich die Geister, ob man diese Artikel aus zweiter Hand kaufen sollte oder nicht. Hier setzt jeder seine eigene Grenze, wobei es natürlich auch immer auf den jeweiligen Artikel ankommt. Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen verwaschen, löchrig, fleckig, gerissen und nur einmal benutzt und vielleicht sogar noch in der Originalpackung. Das gilt für jede Art von Gegenstand.

Da das Einkaufen von Second-Hand-Teilen so individuell ist, muss jeder Gegenstand einzeln überprüft werden und mit Verstand und ein bisschen Bauchgefühl entschieden werden, ob das Fundstück einem zweiten Leben gerecht wird.

Second-Hand-Shopping hat vor allem bei Kleidung eine große Trend-Welle in den letzten Jahren erlebt. Diese positive Bewegung lässt sich auch wunderbar auf die Einrichtung übertragen.

Risikokauf Elektrogeräte

Mit Elektrogeräten ist der Second-Hand-Einkauf ein bisschen risikoreicher, denn Fehlfunktionen oder Verschleiße in der Technik sind ihnen schwieriger anzusehen. Zwar hat man manchmal Glück und findet ein intaktes Stück zu einem super Preis, weil der Vorbesitzer sich ein neues Modell zugelegt hat oder umzieht. Aber falls man doch ein Gerät erwischt haben sollte, bei dem man zu Hause enttäuscht feststellt, dass es nach wenigen Monaten den Geist aufgibt, kann es mit der Garantie kompliziert werden. Denn da die Gewährung dieser freiwillig ist, können Hersteller eigene Bedingungen festlegen.

Im besten Fall läuft die Garantie bei Elektrogeräten über die Seriennummer. Wenn diese auf dem Gerät deutlich zu lesen ist, übernimmt der Hersteller gegebenenfalls die Reparatur. Manchmal will der Hersteller aber noch den Kassenbon sehen. Vielleicht hat der Erstkäufer ja noch den Kassenbeleg und tritt ihn beim Weiterverkauf ab. Im Falle eines anonymen Kassenbons, bei dem der Erstkäufer im Geschäft keine Daten angeben oder unterschreiben musste, sollte die Weitergabe kein Problem darstellen.

Knifflig wird es bei personalisierten Rechnungen. Mitunter kann der Erstkäufer die Gewährleistungsrechte schriftlich abtreten, sodass der Zweitkäufer sich direkt an den Händler wenden kann. Aber gelegentlich steht in den AGB’s, dass genau das nicht möglich sei. In so einem Fall könnte der Zweitkäufer sich zwar an den Erstkäufer wenden. Allerdings schließt dieser oft von vornherein jegliche Garantieansprüche aus, was auch sein Recht ist.

Fundstücke richtig reinigen

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Bevor die neuerworbenen Fundstücke ihr neues Zuhause bewohnen dürfen, sollten sie gründlich gereinigt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass kein Schmutz reingetragen wird und die Gegenstände hygienisch so ok sind. Bei den meisten Teilen reichen natürliche Hausmittel aus. Nach Möglichkeit sollte jeder neue Schatz erstmal für mindestens einen Tag draußen auf der Terrasse oder auf dem Balkon stehen bleiben um auszudunsten. Anschließend können die Artikel je nach Material gereinigt werden:

Echtleder
Mit destilliertem Wasser und etwas Kernseife reinigen. Bei klebrig gewordenem Leder ein Mix aus Leinsamenöl und Essig im Verhältnis 1:1 aufsprühen und mit einem Lappen einmassieren. Im Nachhinein mit einem trockenen Tuch polieren.

Glas
250 ml Wasser und 2-3 TL Apfelessig zu einem Glasreiniger vermengen. Bei hartnäckigeren Verschmutzungen noch 250 ml Spiritus hinzufügen.

Holz
Bei Bedarf mit angefeuchtetem Baumwolltuch abwischen. Unbehandeltes Holz zu neuem Glanz verhelfen, indem man es mit einem Mix aus 500 ml Wasser mit 4 EL Tafel- oder Apfelessig und 2 EL Olivenöl behandelt und anschließend mit trockenem Tuch nachpoliert.

Kunstleder
Mit feuchtem Lappen abwischen.

Rattan
Mit heißem Salzwasser ausbürsten oder mit Gartenschlauch abspritzen. Rattan ist meist sehr robust und trocknet schnell.

Silberbesteck
Mit Paste aus Zitronensaft und Salz polieren und danach mit warmen Wasser abspülen.

Sitzmöbel aus Textil
Um Gerüche zu entfernen, Natron auf Sofa streuen und über Nacht einwirken lassen. Am nächsten Tag wegsaugen. Alternativ Essigwasser mit Sprühflasche auftragen oder Speisesalz mit angefeuchtetem Tuch einmassieren und anschließend absaugen. Wenn vorhanden mit Nass- und Trockensauger oder Dampfreiniger säubern. Oder stattdessen mit leichtem Reinigungsmittel besprühen und mit normalem Sauger absaugen.

Teppich
Zuerst ausklopfen und saugen. Anschließend mit in Tafelessig angefeuchteter Bürste gegen den Strich bürsten und nach dem Trocknen mit dem Strich wieder abbürsten. Um Gerüche zu entfernen Natron mit Bürste einmassieren und am nächsten Tag absaugen.

Textilien
In Waschmaschine mit Waschsoda bei entsprechender Temperatur waschen.

Was besser nicht Second-Hand kaufen

Bei aller Liebe für Second-Hand-Shopping gibt es einige Artikel, die man nicht gebraucht kaufen sollte. Dazu gehören Matratzen, Kissen und Decken, Unterwäsche, Bademode und Make-Up, die nach Gebrauch nicht mehr hygienisch einwandfrei sind. Außerdem Fahrradhelme, Schwimmwesten, Kinderautositze und Kindermöbel, bei denen die Sicherheit nicht mehr garantiert werden kann. Auch Schuhe passen sich bereits nach ein- bis zweimal Tragen dem Fuß an und können bei einem wechselnden Besitzer gesundheitliche Folgen mit sich führen.